Der Drache mit den roten Augen

Bauchladentheater mit Figuren für Kinder ab 3 Jahren,
nach einem Märchen von Astrid Lindgren.

Ein Geschwisterpaar läuft in den Schweinestall, um sich die neugeborenen Ferkel anzuschauen: zehn süße kleine Ferkelchen – aber was ist das? Da sitzt auch ein kleiner schwächlicher Drache mit bösen Augen!

Die Schweinemutter kümmert sich bald nicht mehr um ihn. Doch die beiden Kinder schließen den eigensinnigen  Drachen schnell in ihr Herz und retten ihn nicht nur vor dem Verhungern.

Lindgrens eigenwillige Geschichte „Der Drache mit den roten Augen“  erzählt vom Fremdsein, von Zuneigung, von Verantwortung und nicht zuletzt vom Abschied nehmen.

Spiel: Martina  Couturier
Regie: Margrit  Gysin
Figuren, Ausstattung: Anke  Berger
Bühne: Dirk Riethmüller
Kostüm: Gabriele Keuneke

„Der Drache mit den roten Augen“ ist im Oetinger Verlag erschienen.

Gefördert durch den Berliner  Kultursenat


Kritik nach dem Auftritt bei den Pole Poppenspäler Tagen 2017

Es ist so eine niedliche Geschichte von Astrid Lindgren, die ich mir nicht entgehen lassen will.
Also kaufe ich mir eine Karte und freue mich auf die Inszenierung. Im Gasthaus zum Ritter St. Jürgen findet es statt. Wo ist das denn? Doch der Stadtplan hilft und leitet mich am Theodor Storm Grab vorbei in ein rotes Backsteingebäude. Ich gehe durch den Torbogen und nun???
Dort steht ein netter Herr, der mich freundlich begrüßt und mir den Weg in den Veranstaltungsraum weist: „Gleich rechts und dann die Treppe nach oben.“ Hier sieht es aus wie in einem Privathaus, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Auf der Treppe liegt ein roter Teppich an den Wänden Bilder, auf denen eine Gruppe von Leuten, Stadtverordnete, zu sehen sind. Alle halten eine Pfeife in der Hand. Klosterrechnung und die Namen der Teilnehmer stehen unter jedem Bild. Interessant! 
Und dann bin ich im ersten Stock. Die Tür zum Saal steht offen, ich höre leise Stimmen. Neugierig trete ich ein in einen hellen freundlichen Saal, der schon mit Zuschauern gefüllt ist. Hauptsächlich ältere Menschen und einige Kindern warten erwartungsvoll auf das Puppenspiel. 
Wohnzimmeratmosphäre! Ein kleines Podest aus Paletten, verdeckt mit Stoffen dient als Bühne. So ist man der Puppenspielerin ganz nah- fast zu nah, denn sie dirigiert vor Beginn noch einzelne Personen auf ihre Sitzplätze und sorgt dafür, dass alle Kinder – fünf sind es – in der ersten Reihe richtig sehen können. Sie selbst sitzt auf einem Stuhl, die Bühne hat sie wie ein Tablett vor ihrem Bauch, gehalten wird es durch einen Gurt, den sie um den Hals trägt. Und schon geht’s los.
In einem Stall sind ganz kleine Ferkel geboren. Quietschend drängeln und kuscheln sie sich an die Mutter. Neugierig schauen sich die Kinder dieses Schauspiel an. Bis sie plötzlich in einer Ecke rote Augen sehen, erschrocken schauen sie nach und entdecken einen kleinen Drachen. Sie kennen keinen Unterschied und kümmern sich sogleich um den Drachen. Sie wollen ihn füttern, nur was frisst so ein Tier?
Martina Couturier erzählt und spielt diese Kindergeschichte mit einer wunderbaren Erzählstimme. Melodisch, leicht fesselt sie Jung und Alt. Auch ich höre gebannt zu und bin verzaubert von ihrem Spiel. Sie schafft es, mich in die kleine Welt des Bauernhofes –alles aus Naturmaterialien gestaltet- hineinzuziehen. Ich fühle mit den Kindern, auch ich sorge mich um den Drachen und lache über seine ersten Rauchwolken.
Viel zu schnell ist es zu Ende und die Wirklichkeit hat mich wieder. Überrascht stelle ich fest, dass es den anderen auch so geht. Teilweise sitzen die älteren Leute wie die Kinder mit roten Wangen und leuchtenden Augen da und träumen. „Ach, ist das schön.“ höre ich und die Kinder berichten ganz aufgeregt von ihren eigenen Erlebnissen: „Ich war schon mal …“ Vorsichtig wagt ein Kind sich zur Puppenspielerin, um zu den Drachen und die Ferkel aus nächster Nähe zu betrachten. Vorsichtig berühren sie die Figuren, streicheln den Drachen und freuen sich über einen kleinen Strohhalm, den sie behutsam in die kleinen Finger nehmen und mitnehmen dürfen.
Ich bin wundersam berührt. Noch nie habe ich erlebt, dass Zuschauer, Spielerin, Erzählung und Spielweise so eine Einheit bildeten, dass es förmlich zu greifen war. Lag es an diesem außergewöhnlichen Spielort?
Vielen Dank für diesen herzerwärmenden Nachmittag!